Südafrika feiert einen Low-Budget-Film, der in Johannesburg gedreht wurde. Die Kosten wurden in den USA bereits am ersten Wochenende eingespielt.
„District 9“ heißt die für 30 Millionen Dollar gedrehte Science-Fiction-Story. Die Kosten wurden in den USA schon am Eröffnungs-Wochenende eingespielt, als der Streifen 37 Millionen Dollar in die Kassen spülte und weitaus teurere Filme auf die Plätze verwies. Nach den US-Medien übertreffen sich nun auch die Zeitungen am Kap auf ihren Titelseiten mit begeisterten Würdigungen und sehen schon Hollywood-Oscars in greifbarer Nähe.
Der Streifen ist nicht nur ein Low-Budget-Film, sondern setzte ganz auf unbekannte Schauspiel-Debütanten sowie ein High-Tech-Genre, das in einer afrikanischen Umgebung überrascht. In gewisser Weise wurde es – ungewollt – auch eine Art Sozialsatire: „Es war schon eine gewisse Ironie, dass unsere Dreharbeiten über außerirdische Flüchtlinge in Soweto eine Woche nach der ausländerfeindlichen Gewalt im Township Alexandra begonnen haben“, sagt selbst Sharlto Copley, der den Hauptcharakter Wikus van der Merwe spielt.
Während am Drehort in bitterarmen Soweto-Vorort Tshiawelo die Themen Ausgrenzung, Ausländerfeindlichkeit und brutale Übergriffe im Mai vergangenen Jahres mit „Außerirdischen“ filmisch in Szene gesetzt wurden, spielten sich nur wenige Kilometer entfernt blutige Ereignisse ab. Zu tausenden wurden Ausländer brutal vertrieben, verletzt und getötet. Selbst der Titel „District 9“ erinnert an District Six – ein berühmtes Viertel in Kapstadt, dessen bunt gemischte Bevölkerung während der Apartheid zwangsgeräumt wurde.
In dem Film geht es um außerirdische Flüchtlinge, deren defektes Raumschiff seit knapp drei Jahrzehnten wie eine metallene Gewitterwolke über Johannesburg schwebt. Die Insassen wurden im riesigen Flüchtlingslager District 9 eingepfercht, wo Verbrechen, Arbeitslosigkeit, Alkoholmissbrauch und eine mangelnde Versorgung das Lagerleben prägen. Die Einheimischen fordern die Räumung des Lagers und die Umsiedlung der unerwünschten Nachbarn.
Der Streifen wurde unter der Regie des in Johannesburg aufgewachsenen kanadischen Regisseurs Neill Blomkamp (29) in gut zwei Monaten abgedreht. Er benannte die Außerirdischen nach Johannesburgs berüchtigten „Parktown Prawns“ – harmlose, aber eklig anzuschauende Krabbeltiere in XXL-Größe, die der Schrecken jeder Hausfrau sind. Die Film-„Prawns“ (Garnelen) sind angesichts der Sprachbarriere völlig unverstandene Wesen aus dem All – bis es zu einem Zwischenfall kommt, der von den TV-Stationen der Welt live übertragen wird.





